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gut, dass es im Oktober noch nicht so heiss ist

© Sabine Vess, 2011

 

starr auf dieser Spur, ganz starr auf dieser Spur, rechts die Laster, Busse schier ohne Abstände, schneller als wir, Gehupe rechts, links, uns schneidende Autos, Busse, Laster, Gehupe, Gestank, Drohgebärden, Kerzen auf dem Tisch, der Tisch ist gedeckt, wir hatten schon gegessen, starr auf dieser Spur, die Alte, nein, nicht auf dem Zebrastreifen, mit Taschen, du stöhnst

du wusstest, sie würden sie abholen kommen, er hat dafür zu sorgen, dass, sie lassen sich lieber abholen, nein, oh nein, auf dich hörten sie, ich kann heute nicht, meine Stimme, und immer deine V-Zeichen, aller V-Zeichen mit den Fingern beider Hände rechts vor der Brust, links, er hat dafür zu sorgen, dass, von der Seite her vor den Augen, nein, oh nein, heute nicht, nein, meine Stimme, meine Verlobte! er hat sie geschwängert, sie schlägt ihn, ziehst die Arme vors Gesicht, die Handflächen nach aussen, sie schauen zu mir auf, und die V-Zeichen?

im Anfang war das Bild
nein

setzt sich jemand neben mich, es gibt hier viele leere Bänke

zu sechzehn, achtzehn zum Hühnergrill, wo Einviertel Huhn mit Pommes und Salat und Cola mehr als doppelt soviel macht als Kutteln, Bohnen, Tomaten, Zwiebeln, Suppe davor und hausgemachte Limonade, ja, Reis, natürlich Reis, letztes Jahr, zwei Strassen weiter um die Ecke in der Küche der dicken Frau

Sachen für den Zehnjährigen, Futter für die Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, ich habe nichts mit Kaninchen, Meerschweinchen, Hühnern, auch nicht mit Pflanzen, obwohl ich sie mag, wir stecken sie in kargen Boden, mästen, schlachten sie, bringen den Zehnjährigen ins Haus der Kleinen südlich der Stadt

sogar in ärgster Dürre folgen Löwen den Herden der Gnus nicht über die Grenzen ihres Territoriums hinaus, verhungern, verdursten trabend durch siedende Hitze
ja, ich bin fett geworden, geschnüffelt? na ja, anderes Zeug? sie vertraut mir nicht mehr, letztes Jahr noch vertraute sie mir, haben Sie eine Genehmigung? wir haben immer, eine Genehmigung der Parkverwaltung, wir haben, eine Genehmigung, heute sowieso nicht, nirgends? warte auf den Hauptverwalter, er kennt mich, letztes Jahr befummelte ein Sicherheitsbeamter des Parks eins unser Mädchen, guten Tag, guten Tag, heute erlaube ich Ihnen eine Stunde, in Zukunft die Genehmigung, danke

kein Musiker, keine Instrumente, die Energie nur einer Person vermag kaum mehr, als dass sie anderthalb, zwei Stunden rumsitzen, sich lausen, ersetzen die Trommeln durch Händeklatschen, manche sind - schaffen das nicht, wollen essen, nur essen, ohne Arbeit kein Essen, hinterher gibt's immer Essen, sie singen noch zwei Lieder, ich brauche noch ein Lied, kommen auf drei Lieder, einschliesslich Herkommens und Essens vier Stunden ohne zu klauen, sich anzubieten und doch vollem Magen

die von unter der Brücke warten lassen, allein dahin? ins Zentrum schon, sprechen dann erst mit ihnen, kurz, fangen dann an, sie murren nicht, machen mit, alle, Gymnastik, Singen, kommt dieser Magere mit seiner grossen weissen Jacke auf der Mauer am Fluss angetanzt, mit der grossen weissen Jacke, magerer als das magerste Huhn, grosse Narben über der Brust, auf dem Rasen fängt er ein Luftboxen an, wie man Schläge kriegt, auch von Polizisten, und austeilt, ich bitte ihn, das mit dem, der unten und oben vorne keine Zähne hat, noch einmal zu machen, Alkoholiker, zur Zeit ziemlich gut drauf, sie tun das, ihre Bühne ist hier, jetzt, vergiften, alle, hier, jetzt, es spricht sich rum, dass es für eine Stunde Arbeit - ich sage ihnen: das ist Arbeit - warmes Essen gibt

zum Symposium der Gewerkschaft der arbeitenden Kinder und Jugendlichen
zum Symposium über sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, 30% der inhaftierten Männer sitzt wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen

ich weiss ja nicht, wann ihr hupend vor der Tür steht, meine Gefangenschaft in eurer Zeiteinteilung diesmal vorbei ist

Kindopfer des Krieges, einundzwanzig, verteidigt Kinder, vor allem Mädchen, denen man auf der Strasse Gewalt antut, ausgerastet, abgeführt, als der Kommissar ihr dann doch ein Frühstück bringt, für Opfer des Krieges gelten andere Regeln, pfeffert sie ihm das Frühstück ins Gesicht

besser die Kinder nicht als Opfer zu betrachten, zu behandeln, besser für die Kinder sich selbst nicht als Opfer zu betrachten, falsches Mitleid lauert, wer will schon hart zu sich selbst sein?

ziehe mich zurück ins Appartement am Kai, weg, nur weg, seit heute ist es nicht mehr nur von mir, auch er stand gepackt, ich will auch nicht mehr da essen, er geht noch da essen

kommen beim Haus unserer Freundin an, die Tür, die Schlüssel passen nicht, holen drei Jungs, die brechen die Tür auf, gehe mit ihr ins Haus, er und die Drei warten zwei Blöcke weiter im Auto, Bett, Bettzeug, Kücheneinrichtung, Wäsche, Garderobe, alles weg, kommen fünf Sicherheitsmänner, einer davon wird für die Bewachung des Hauses von unserer Freundin bezahlt, mit dreissig Schlägern mit Knüppeln, Pistolen, sehen das Auto die zwei Blöcke davor, kommen auf uns zu, schlagen mit ihren Knüppeln aufs Frontfenster ein, die Drei auf dem Rücksitz nehmen die Beine, einer bedroht mich durchs geschlossene Seitenfenster mit ner Pistole, irgendwie, manche Details, Zusammenhänge, gehen zum Revier, da ist auch der Kretin, war ausser sich dahin gerannt, der Dienst habende Polizist - im Büro der Gemeindeverwaltung liegt ein Schreiben, das besagt, dass das Haus einem von hier gehört, es gehört unserer Freundin, auch die Akte liegt da

fahren dann morgens sehr früh, starr auf dieser Spur, ganz starr auf dieser Spur, rechts die Laster, Busse schier ohne Abstände, wir hatten schon gegessen, schneller als wir

schauen vor sich auf den Boden, ihr Horizont reicht kaum über den Rand des Flecks, auf dem sie stehen, hinaus, Schauen üben, Schreien üben, kann kaum gehen, und dann das Kind, kommt da Dreck an die Hose des Kindes, schlägt sie die Hose ab, ich schlage nicht zu! wollte ja kein Kind, das ist gekommen, da hat sie es gewollt und dann wieder nicht

der Bus hält nicht vor der Brücke, danach bei einer Fussgängerbrücke, wir nehmen diese Fussgängerbrücke wieder nach diesseits, ich denke die Strasse zu erinnern, dann ist sie anders, bei der nächsten Durchgangsstrasse über wieder eine Brücke kehren wir um, kehren wieder um, überqueren die Durchgangsstrasse, gut, dass es im Oktober noch nicht so heiss ist, die Strasse ist leer, keine Blumen in Fenstern, keine Autos, ich mache hier keine Fotos, eine Frau in einer Tür, geht rein, ans letzte Haus grenzt ein grosses umzäuntes Sportfeld, dahinten hört der Zaun auf, in der Ecke nahe des Hauses am Zaun zum Fluss hin kauern Jungs, wir überqueren das Sportfeld, als auch der Zaun zum Fluss hin aufhört, laufen oberhalb seines trockenen Betts Richtung Durchgangsstrasse, die wir überquert hatten, ein Trampelpfad, unten liegen Schienen, noch tiefer, zwischen Steinen und Gestrüpp, Halden von Schutt, Abfall, vor dem Zaun, hinter dem seine Kumpels schnüffeln und rauchen, einer an den Zaun gelehnt, ich grüsse, ob der Trampelpfad hinter den Sträuchern weitergeht? Gestank von Scheisse, verrottenden Apfelsinen, bei einer verlassenen Fabrikanlage endet der Pfad an der Durchgangsstrasse, die wir überquert hatten, wir überqueren die Durchgangsstrasse, gehen bis nahe meiner Erinnerung, kehren um, rufen an, nicht weit, ein Taxi, hier nehme ich kein Taxi, überqueren die Durchgangsstrasse in Richtung jener leeren Strasse, gehen nicht rein, überqueren sie, ich gehe zu dem Sicherheitsbeamten mit Hund mit Maulkorb, der noch immer da steht, bitte, ich wusste, weiss den Weg nicht mehr, wissen Sie, wie gefährlich die Strasse ist? ja, nur fünf Minuten, nehmen Sie den Bus, ich halte den Bus für Sie an, wir können auch ein Taxi, nein, er hält den richtigen Bus für uns an, ich bezahle für uns beide einen Sol, der Schaffner will mehr, ein Sol für uns beide ist genug, er will mehr, unsere Haltestelle, noch einen zum Versaufen, ich gebe ihm den Sol

ein Grossteil ist zu, der Zehnjährige, den wir letzte Woche ins Haus der Kleinen südlich der Stadt gebracht hatten, klaute da 30 Soles, ist wieder da, mit ner Menge Kleister, nehmen die Grossen ihm ab, gehen nicht sanft mit ihm um, eines Tages liegt er da mit zerschmettertem Schädel

sogar das Rausholen der Kamera kann heute Kampf unter ihnen auslösen, sie arbeiten gut, auch die, die zu sind, zum Hühnergrill, für jeden Einviertel Huhn, wie sie sich um die letzen Zattern streiten, nicht das geringste Pommesstückchen bleibt übrig, kein Reiskorn, nichts, einen separiere ich, spreche mit allen Gästen, die um den Tisch mit den Kindern herum sitzen, und dem Personal

du hattest noch angerufen, ich schlief schon

nur wenige, wir arbeiten mit jedem allein, dann noch irgendetwas zusammen, nichts funktioniert, ich rufe dich an, du nimmst nicht auf

Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt, Morgen früh, da unter der Brücke geht er vor die Hunde, hatte gedacht sich mit Kleister einkaufen zu können, kämpft, ist halb so gross, ab und zu fixer, die Spielchen arten schnell in Kampf aus, den Kleister nehmen sie sich, schnüffeln, schmeissen ihn zu Boden, rutscht ihm die Hose runter, sein Schwanz raus, die Unterhose ist ja verschachert, schreien sie: Fotos machen! Fotos machen! sie werden ihn missbrauchen, bis irgendetwas in seinem Leib Pasta, ich brauche Pasta! schreit, aus Scham, nicht des Stehlens, sondern des Missbrauchs wegen kommt er nicht von selbst wieder zum Haus der Kleinen, warum hast du ihn nicht mitgenommen? zu zweit für gut zwanzig? zu gut einem Drittel zu

er ist der, der so tanzt wie Marcel Marceau, er der, der oben und unten vorn keine Zähne hat, ist auch falsch, schläft mit den HIV Mädchen, sind sie zu, na ja, sehe ja, wie diese Ansätze zu Tänzen in Brutalität, gehen beim Hühnergrill mit Gabeln und Stöcken auf einander los, kann ich nicht zwischen, muss zusehen, wie's vorübergeht, ab und zu brülle ich, er ist ja klein, sie haben ihn schon missbraucht, müssen immer aufs Neue beweisen darüber zu stehen, es ist möglich, dass die Jungs da am Zaun, dass die dich erkannt haben, immer wieder ist auch einer von denen da in einer der Vorstellungen, spielt mit, schon das Nennen dieser Gegend besorgt ihnen ein unruhiges Gefühl, erzählen sich die Geschichte wieder und wieder, der Zehnjährige kommt heute wieder ins Haus der Kleinen, wird wieder ausreissen, wieder gesucht werden, da geht er ja vor die Hunde

hätten nicht wieder nach diesseits über die Brücke

die Därme des Autos kratzen über die Strasse, gewöhne mich nicht daran ein Hund auf Abruf bereit zu sein, ja zeichne, zum Haus noch weiter südlich als das der Kleinen, für solche, die echt in der Scheisse stecken mit Kindern an Händen, Brüsten, im Bauch, wo auch die Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner sind, das Stück zusammensetzen, alle sind da, auch der Zehnjährige, nach noch anderthalb Stunden fangen wir an, auch innerhalb aller Anwesenheit übt jeder Verzögerung aus, noch während der Proben, nein, meine Stimme

Leben auf Abruf
Tod auf Abruf

du bist zu hart zu ihm, seine Kriegserfahrungen, Strassenerfahrungen, gerade geheilte Tuberkulose

solange ich warte, gibt es kein wir, ja, doch

von Raub, wir stürzen uns auf unsere Opfer, ich hatte eher an Prostitution in der Homoszene, Strichjungen sind nicht so gut genährt, kriegen irgendwann AIDS, sterben an Tuberkulose

das Gefängnis der Zeiteinteilung des anderen ist Folterkammer

fangen mit ihnen in ihrem Dreck an

der beste Präsident, hat was für die Armen, Absolutismus verkrüppelt Volk und Herrscher

um drei Uhr ist die erste Aufführung Geschichte, sie begreifen noch schlecht, dass Leben etwas ganz Intensives ist, reingestürzt oder nicht

fängst an deine Songs auszuschmücken, ja, Schmuck, ich will Schmuck

traurige Schule in grauen Strassen, lustlos schlurfende Lehrer, die, die uns zur Seite steht, strahlt, hat Krebs, der Krebs wird siegen

Wolken multiresistenter Tuberkulosebazillen schweben über diesem Ballungsgebiet, schlagen nieder auf den dreckigen Asphalt, stehen in Bussen, einen Kaffee und noch ein Glass Wein, Tränen stehen in seinen Augen, habe nie gedacht, dass es mich erwischen würde, lebe ja nicht auf der Strasse, wer? es fing mit einem kleinen Etwas irgendwo rechts oben in der Lunge an, zwei Monate später ein viel grösseres Gebiet, habe immer gesehen, wie jener sich anstrengen musste - der, der seine Songs jetzt ausschmückt - nach der Medikation sagte: so elend, in meinem Kopf alles Scheisse, noch zwei Stunden nach den Tabletten, kann mich nur langsam aufrappeln, was aussieht wie zugelegter Speck, kommt von den Tabletten und ich muss ja nicht nur essen, muss überessen, Tuberkulose frisst Kraft, tuberkulöse Strassenkinder müssen arbeiten um überhaupt fressen zu können, überleben, bis sie tot sind, die Scheisse im Kopf

eifersüchtig auf jedes neue Kind schlägt der Kretin auf den Zehnjährigen ein, der wird wieder ausreissen, die Stadt erreichen, bis er dann doch geschnappt und in eines der staatliches Heime gesteckt wird, Höllen, das sind Höllen

dann zerschneidet jemand mit einer Bewegung, einer Bemerkung die so bröslige Konzentration

eine Flasche zerdeppert, eine ganze Stunde Kampf

wir fahren gegen Abend schon mit dem Bus, warum? wir fahren

natürlich sind die Klosetts am Nachmittag eine stinkende Kloake, dreiunddreissig Kinder müssen immer wieder, mit dreiunddreissig Kindern zum Hühnergrill, krieg das nicht runter

wollen Sie die Welt verbessern? bei jedem Schrittchen überrennen uns Schritte, die Kinder, durchatmen! leer hin, sonst sehe ich die Kinder nicht, durch die Tränen hindurch unter die Tränen, Erwartungen? das Tränenmeer ist kompakt, Mitleid fehl am Platz, die Kinder, nicht nur die Kinder bevorzugen es dem steinernen Meer in sich auszuweichen, an seinem Rande Rausch zu verfallen, kann den Kopf kaum halten, stopft das Essen in sich hinein, ich hege keine Erwartungen presst sich unter die hohen Backenknochen, dann hängt alles, ich dulde keine Widerrede, die Arme schnellen hoch, ich könnte einhaken, deine Atempause dauert lang, mein Zögern länger

dass ich die kleinsten technischen Dinge nicht werde meistern können, der Automat mich nicht versteht, wo sich nur die Kasse befindet, und all die Frauen und Männer und Jungs tun das einfach

holst alles drei-, viermal wieder aus dem Koffer, zeigst mir Hängeschlösschen, diese Reisen, entsetzlich, ein Anschlag auf meine Gesundheit, diese Schleusen, Viehschleusen

wirfst mich zurück auf den Strand, höre nichts als den Wind, deine Wellenschläge
wirfst Schildkröten auf den Strand, liegen da mit aufgedunsenen Bäuchen und Beinen, bleichweiss, eine Gans, vielleicht irgendwann Menschen aus Boten

ist die Strasse die Vorstufe zum Paradies? wieder einer mit Besen auf dem Kinn

der erste Mensch, es ist noch früh, es lässt sich nicht mehr feststellen, welcher Hautfarbe er war, von Schädelfleisch und Haaren keine Spur, das Fleisch, an Körper, Armen, Beinen, aufgedunsen, die Haut bleichweiss wie die der Schildkröten

jetzt haben sie Blättersaugmaschinen, mit dem Morgendämmer legen die mit Geheule los, lose Dächer über Terrassen sind feste Dächer mit dichten Seitenfenstern und zu schliessenden Fronten geworden, der Innenraum ist grösser, die Höflichkeit der Ober hat nicht zugenommen

kotzt Quallen und tote Tiere auf den Strand, schlürfst sie wieder auf, lässt sie liegen, die Buchten verschieben sich, flachen ab, die Menschen, die aus dem Lager hierher kommen, dürfen, können, wollen, sind dicker geworden, essen auch hier, manch Anblick schmerzt, ich laufe meistens bis ans Ende der Insel und wieder zurück, jetzt gibt es unten rum nackte Männer, die sich vor daliegende nackte Frauen stellen, gaffen, früher taten sie das auch, aber hielten sich zum Gaffen an gewisse Abstände, um nackt daliegende Männer habe ich noch nie unten rum nackte Frauen gaffen stehen sehen

schlafe nachts, morgens, am Strand, mittags nach dem Strand, beim Lesen am späten Nachmittag, abends nach der Mahlzeit und wieder nachts

um 13.30 Uhr fängt die Befummelstunde an, darf jeder jeden befummeln, ablecken, absaugen, der Koitus an sich ist tabu, eine kniet, der Alte strauchelt, auch ausgekotzte Statuen von Sand gleich bedeckt, täglich fahren Polizisten den Strand entlang um landende Flüchtlinge zurück in deine Fluten zu drängen, die fickenden Paare lassen sie links liegen, Stapeln und Abtransport der Leichen und Skelette ist nicht ihre Angelegenheit

Mastanlagen des Leibes, des Geistes, Fettgeistigkeit, Schöngeistigkeit

schmeissen die Kleinen wie Katzen zu Boden, den Kleister nehmen sie sich, im Rausch dann reissen sie ihnen die Ärsche auf, die Dreizehnjährige, im Rausch scheissegal, dem Zehnjährigen, haben wir schon, tun es wieder und wieder, ja, er wird sterben, auch aus anfänglicher Scham, schlurfen mit vom Rand des Todes gezeichneten Gesichtern, kuscheln sich in den Dreck des Rasens, ihre Eltern hatten ein Blechdach überm Kopf, es dringt zu mir durch, wie gefährlich die Gegend ist, durch die wir kamen

er wird wieder zwei, drei Tage bleiben, kommt er nicht wieder, geht er vor die Hunde

arbeiten mit denen der so gefährlichen Strasse auf ihrer Strasse, einer anderen als die, die parallel zum Fluss, nach ihrem letzten Haus am Sportfeld vorbei, ich weiss nicht wo endet

Strukturen zerbrechen, wir brauchen Lumpenpuppen

Nachsicht vernichtet, alle Zeit zersprochen, zerwartet, traurige Schule mit Händlern mit Süssigkeiten und Snacks auf dem Hof, jeder bestiehlt jeden: Kinder Kinder, Erwachsene, Erwachsene Erwachsene, Kinder, auch das Telefon nicht annehmen, bedeutet Teilname an gemeinsam geplanter Ausführung, Erbarmen mit etwas oder jemandem kam dann, wird immer wieder überwuchert

verfahre mich wieder und wieder ganz nahe dem Ziel, Wegversperrungen, am Fluss entlang, am Fluss entlang, Husten hinter mir, Kerzen auf dem Tisch, der Tisch ist gedeckt, wir hatten schon gegessen

diesmal warst du schon einen Tag eher zum Flughafen gekommen

nein, keine DNA-Tests, ich denke nicht, dass sie es sind, es sind nun mal Jungs, du weisst, das könnte ihr Leben verpfuschen, und das des Mädchens? dieser Hure!

werden dick und dicker, das Essen ist da, diesen ersten erreichten weiteren Kreis irgendwann durchbrechen zu können steht nicht in Aussicht, sie wollen schon, doch üben, sich üben? Löcher, viele Löcher schleppen sie mit sich, immer hinein Onkel Otto! die Führer haben angeschlagene Gehirne mit für immer lahm gelegten Gebieten, laufen gebogen wie Alternde

sitze auf der Bank, die durchkommende Sonne brennt sich mir kaum spürbar ins Gesicht, setzt sich einer neben mich, jeder kann sich setzen, wohin er will, spricht mich an, fragt, fragt bohrender Augen nein, die Kinder können nicht kommen, heute nicht

sie schlafen jetzt unter der Brücke zur Linken, wir bringen den Zehnjährigen nach südlich der Stadt, ich habe nichts mit Kaninchen, auch nicht mit Meerschweinchen

sich lausend warten sie auf das Fest mit Torte, es wird kalt, wird spät werden

seine Mutter bringt ihn ins Heim, nach Jahren dauernder Misshandlungen flüchtet er, seine Mutter bringt ihn an eine Strassenecke, geht, unter der Brücke lebt er bei den Grossen, die sich nachts zu schnüffeln, voll pumpen, ihm sagen: geh, da bist du besser aufgehoben, nach dem ersten Rausch an Essen, sauberer Wäsche, dem Bett für sich wird er diesem Gefängnis entfliehen, isst und isst, rennt rum, will am liebsten weit raus ins Meer, überall mitmachen

eine Kapsel unheilbarer Tuberkulose links oben im linken Lungenflügel ist geblieben, muss entfernt werden, kann immer wieder aufbrechen, zum Tuberkulosehaus, durch die so gefährliche Strasse, auf der du mit den Kindern da arbeiten willst, damals laufe ich mit den Zweien zwei-, dreimal pro Woche hier durch zu Proben mit den Jungs und wieder zurück, in diesem Dreck wird alles feilgeboten, jener hat seine Behandlung mit Erfolg abgeschlossen, bei jenem ist gerade Tuberkulose festgestellt, bei seinem Bruder fängt die Behandlung zu wirken an, an den Pfosten gelehnt, Husten unterdrückend, wird er sichtbar noch immer von innen her aufgefressen, jener spucke kein Blut mehr, er spuckt Blut, alle gehörten irgendwann zur Truppe

die grossen weissen Jacke schwebt über der Mauer

ich wollte, ich hätte weniger zu tragen, brauchte nicht aufs Abholen zu warten, das Türschloss funktioniert nicht mehr, der Rechner geht kaputt, das Haus ist weniger gut unterhalten als letztes Jahr, es ist ja auch ein Jahr vergangen, anderthalb Stunden nach Mittag, ruhig bleiben! Zeit hat nichts mit Uhrzeit zu tun, und dein Gehupe vor der Tür, denke ich

über die Brücke zurück, links ein Polizist mit Hund mit Maulkorb, links entlang der Strasse, die ich erinnern, vermeine zu erinnern, entlang kleiner Läden, nein, eine Durchgangsstrasse über eine Brücke, wir kehren um, kehren wieder um, kreuzen die Durchgangsstrasse, auch hier ein Polizist mit Hund mit Maulkorb, rechts der Kreuzung, eine Frau in einer Tür, das letzte Haus, ein Sportfeld mit Jungs, der Zaun hört auf, dann hört auch der zum Fluss hin auf, wir überqueren das grausandige Feld weit genug von den Jungs entfernt, ein Trampelpfad, der Fluss ist trocken, unten liegen Schienen, Schutt, Abfall, Scheisse, in der Ecke des Sportfeldes hinterm Zaun nahe des letzten Hauses der Strasse die Jungs, schnüffelnd, rauchend, einer steht ausserhalb, angelehnt, ich grüsse, bei der Fabrik vor der Brücke kommen wir auf die Durchgangsstrasse, die wir überquert hatten, überqueren sie, gehen bis hin zu dem Gebiet, das ich erinnere, vermeine zu erinnern, kehren um, rufen an, überqueren die Durchgangsstrasse und die, die zum Sportfeld führt, gehen zu dem Polizist mit Hund mit Maulkorb, bitte, wie kommen wir dahin? diese Zone ist extrem gefährlich, er hält den Bus für uns an
wir sind spät dran, die Stimmung aggressiv, der Zehnjährige wieder da, hat ne grosse Dose Kleister gekauft, in ihrem Delirium werden seine Kumpels ihn umbringen, eine Mutter ohne Zähne will ihren dicken Sohn in einem der Häuser unterbringen, ihre Tochter steht kurz vor der Geburt des zweiten, dritten Kindes
zum Hühnergrill, der Zehnjährige ist nicht dabei, des Kleisters wegen sind alle, zwei gehen mit Gabeln auf einander los, den Stock hatte ich an mich genommen, ich entschuldige mich beim Personal und bei allen Gästen, danke für ihr Verständnis und ihre Mitarbeit, die Jungs kriegen auch noch die Reste ihrer Teller

dein immer wieder von neuem gefragt werden Wollen, dein immer wieder nein, jetzt nicht, dein Kokettieren mit deiner halb versteinerten Lunge, deiner verröchelten Sprache, deinem schleppenden Skelett, meine Verlobte!

gib mir, gib mir, gib mir

hier zählt jede Stunde so wie jeder darin reagiert und keine Prognosen ermöglicht

ich werde müde vor allem des Gehorsams, der deinen Zeitmassen zu zollen ist, wären es nicht doch Macht ausübende Zeitmasse, ständest du nicht hupend vor der Tür

er solle die Einsätze übernehmen, wenn ich nicht da bin, vierzehn Jahre, ich kenne ihn seit seinem vierten, anfangs ballanzierte er einen Besen auf seinem Kinn, willst du das? ja

ich dachte die Frau sei schwanger, ein Mann, er ist ein Mann!

blauen Auges, Male am Hals ist sie doch gekommen, der Vater ihrer Tochter, der sie so vertrümmert hat, nicht

erst weiss ich nicht, ob ich an den Medikamenten oder der Tuberkulose sterben werde, zwölf Tabletten morgens, vier Tabletten abends, jeden Tag zum Krankenhaus, gerade dieses Krankenhaus ist einer der schlimmsten Tuberkuloseherde der Zone, ich lebe nicht auf der Strasse, die auf der Strasse arbeiten weiter um überhaupt zu fressen, verzehren dabei nicht nur ihre Kräfte, die, die die Bazillen, diese gefrässigen Überlebenskünstler, ihnen übrig lassen, stecken auch andere an, diese Doppelzone ist die am stärksten verseuchte des Kontinents

 

letzte Korrektur mai 2012

 

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