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und der Vogel in uns lacht

die Unterschiede
zwischen hier und da
und der und dem
fallen ins Nichts

© Sabine Vess, 2010

 

die Frau vorm Fenster, ich hatte keine Schritte gehört, sie dreht sich um, geht, keine Schritte,
Leben, noch ohne Gesicht, auch nicht der Ahnung eines Gesichts, dringt in mich ein, die geringste Aufmerksamkeit lässt mich aufatmen, umschauen, mir den Atem stocken, das glaube ich dir, höre ich sagen, oder: was für ein interessantes Leben du da führst! während ich die Bilder nicht mehr irgend gekannt zusammenkriege; Texte, Bewegungen, Gedanken auch nicht.

Taxi?
Nein.
Taxi?
Taxi?
Taxi?

du kommst immer zu spät, die strammen Brüste vorausgepresst, voller Entschuldigungen, neben dir das Mädchen, die Frau, mit Baby,
guten Tag,
auf verlatschten Stöckelschuhen,
erst ihren Mann suchen, den Vater des Kindes,
am Strand entlang,
hier, sagt sie, steigt aus mit Baby, läuft auf den verlatschten Stöckelschuhen über die Dünen, kommt wieder, steigt ein, steigt ein Stück weiter wieder aus mit Baby, kommt nicht wieder, andere kommen über die Dünen, wir kurbeln die Fenster runter,
die Gruppe fällt auseinander und jedes Kind.

das erste Mal am Fluss, ich konnte nicht fassen, dass da Menschen leben, man nur zu rufen braucht, schon stehen sie da,
der, der vor der Tür stand, mit Goldzahn links oben: sind Sie?
ja, ich stieg ein,
und ihr Chauffeur schleppen Säcke mit abgedankten schicken Klamotten ihrer schicken Casinogäste und Decken und Shampoo und Seife vor die Kinder,
eine Seidenbluse!
eine Hotelpagenjacke!
das Gruppenfoto mit Dame.

leih mir! leih mir!
gib mir! gib mir!

es wird noch später werden, und dann Torte, wie immer zu Geburtstagen, entsetzlich süss, noch warm essen, ich esse nicht mit, welche Mengen in euren Mägen verschwinden,
nein, ich tue nichts, gehe nicht zur Schule, nicht ans Meer, sitze ganze Tage vor der Glotze, starre vor mich hin, pussele was im Haus,
sie sind Künstler, sind alle Künstler,
nein,
grosses dickes Mädel, grosse Künstlerin, grosses Mädel,
nein!
der Rausschmeisser mit Goldzahn links oben, mir fallen die Augen zu, alle möglichen Schalter und das Schliesswerk fallen von Wänden und Türen.

drei kehren am Abend nicht wieder, am nächsten Tag,
Geschrei,
Wiederaufnahme,
kehrst du dann wieder, bist du weniger als zuvor, ganz wenige verbessern dadurch ihre Position, manchen wird die Wiederkehr verweigert, manche weigern sich wiederzukehren,
wiederkehren müssen, wollen, um, nackt, von dem, was da herrscht, nicht erdrückt zu werden,
auf der Strasse?
anfangs ist es wie Ferien, irgendwann geht allen dieser Ort auf den Keks,
wir lieben übersüsse rosa Torten, lieben Kitsch.

wozu diese Armenhaufen?
wir kriegen sie nicht runter,
wozu sind sie nutze? zu irgendetwas müssen sie nutze sein, magere vor Dreck strotzende Leiber in Dreck,
wie du dich extra vorsichtig kompliziert festhältst, hinsetzt, tauber Arme, Beine, grauer Zellen,
ich bin schwammig, habe zugenommen, für die Strasse bin ich ein alter Mann,
wir haben ein Kind, wir lernen Musikinstrumente spielen um uns in die Reihen der etwas Verkaufenden, etwas Anbietenden scharen zu können, brauchen so nicht mehr betteln, klauen, auf den Strich, zwei, drei,
fünfzehn schaffen einen besseren Start,
es gibt keine Arbeit,
die Sucht kann immer wieder aufbrechen,
der Drang zum Platz an der Sonne, wo jeder schliesslich jeden und alles unter seinen Füssen zertrampelt, das Keltern der Strauchelnden, Zurückbleibenden, auf dass diese Suppe uns labe, die die Erde tränkt, durch ihre Strassen fliesst,
schliesslich fliegen wir uns des Anblicks zu entziehen.

ist der Markt dieser kleinen Verkaufenden, Anbietenden übersättigt,
wer wird als erster rausgedrückt? von wem?
zertrampelt, dringen wir in euch ein, es gibt kein Entkommen,
die Arme vor dich ausgestreckt, erhebst du dich, bewegst dich, halsloser Käfer gepanzerten weissen Rückens, drückst alles weg, Käfer haben acht Beine, Menschen vier, wenn sie so laufen wie Käfer, vier,
ich weiss nur, wie es bis heute Abend läuft, eventuell, und nur, was Uhrzeit und Ort betrifft, weiss die Hausnummer nicht, nicht, ob die Musiker nur dastehen, auf Befehle warten,
wenn Einviertel der Stadt in solchem Zustand lebt,
mehr als die Hälfte lebt so, manche mit Bad, alle Strukturen, die wir erarbeiten können, mit aller Wahrscheinlichkeit voraussagen können, können morgen zerbrochen sein, weil,
weil
eine Mücke hustet, Rotz verprustet.

die Stunde Fahrt zieht sich mir endlos hin, das Elend, schliesslich nicht mehr von besseren Aussichten unterbrochen,
warum ich gestohlen habe, durchgeknallt bin? wovon muss ich dann mit meiner Familie leben? nein, ich bin nicht mehr willkommen,
morgens schon sitze ich hier auf den nach Pisse stinkenden Stufen, halte den Beutel mit Bonbons hin, die dreckige offene Hand, Filzhut auf, Kind an der Brust, schaue niemanden an,
ein paar Schritte weiter stolpere ich gerade nicht, ich nehme diese Stufen jeden Tag, hier runter, da hoch, von Bus zu Bus, all diese Treppen stinken nach Pisse und überall die Frauenklumpen mit Filzhut, Kindern, offener Hand.

wir haben Matratzen und Habseligkeiten der Kinder unter der Brücke verbrannt,
an diesen Ort wagte ich mich nicht allein,
wir tun das regelmässig,
wir sind versteinert,
mir eitert ein Glassplitter aus der Stirn,
es gibt auch eine Liebe, sie ist zwölf, er ist fünfzehn Jahr, auf der Mauer am Fluss lausen sie sich,
ich will in eine Entzugsanstalt,
oh, Johnny!
passt vor diesen Jungen auf!
ja, Vater,
wir wissen nichts von unserem Vater, dein Vater ist ein anderer als meiner, als der unseres Bruders, obwohl alle drei dieselbe Person aus Fleisch und Blut,
gib mir das Geld für mein Essen, ich esse nicht mit, brauche Seife, eine Dusche, eine Rasierklinge, will sauber ankommen, rasiert, vielleicht auch schaffe ich es nicht,
oh, Johnny!
sie kotzt mich an,
sag es ihr,
wir wissen ja nichts von unserem Vater, dein Vater ist ein anderer als meiner, als der unseres Bruders,
wir können nicht lesen.

das trockene Flussbett besät mit Zeug,
ne Ratte, hast du schon mal ne Ratte gesehen?
jede Stadt beherbergt mehr Ratten als Menschen,
bist du nur dick oder schwanger?
die letzten zwanzig Minuten,
ich kehre nicht wieder,
du musst ja zurück,
als gäbe es das,
ich warte dir auf, laufe hin und her, bis du aus dem Zug steigst, der dich von da wieder hergebracht hat,
weiter, bis da, wo es nichts mehr zu hören gibt,
nach Hause,
du ziehst die Oberlippe hoch, die Vorderzähne wie bei Kaninchen,
bist du bereit?
der rechte Schuhabsatz ist ein Damenschuhabsatz.

Sie kleben sich mir auf, bombardieren mich mit Ihren Bitten, damals legten wir Kissen auf unsere Köpfe, damit die Bomben sachter fielen,
die Stimme des Mädchens, der Frau, heute im Bus, wir sollten diese Leute von der Strasse auflesen, mitmachen lassen,
wir können sie nicht bezahlen, unser Publikum zahlt nicht,
ich liebe diese Busfahrten,
Menschen klatschten,
und wie willst du weiter? wohin?
wo ich nichts weiss, noch nie gegangene Wege, verschüttete Wege, wie lange schon,
ich bekomme jeden Tag Suppe und Hauptgericht, bleibe auf der Terrasse sitzen, alle Kinder respektieren mich, ich habe keine Zähne mehr, sehe kaum noch,
wir sind sehr nett zu den Kindern,
sie sind sehr nett zu uns,
überall legen wir unsere Bibeln hin,
überall legen sie ihre Bibeln hin, drücken sie uns in die Hand,
wäre ich ein besserer Wellenreiter als er,
auch ich brauche meinen Fussabtreter.

einen Monat allein in der Zelle, stehend, Spritzen um mein Leben umzukrempeln, nach diesem Monat bin ich irr, zittere, erkenne nichts,
schreien müssen,
schreien müssen,
schreien müssen,

erkenne so gut wie nichts, dreizehn, eine Besserungsanstalt, auf den Strich geschickt vom Zuhälter der Familie, meiner Mutter, als ich in der Besserungsanstalt war, war die da dran, jetzt bin ich wieder dran, bekomme ein Kind vom selben Zuhälter wie die da, sei schöner.

das Trägermaterial, zu schwer belastet, krümmt sich, bleibt sich krümmen, zweimal zerstören die Kräfte, die ich hinzuziehe, allen Ansatz,
zerfleischt, immer weiter in den Wunden zertreten, egal von wem zugebracht und von wem dann weiter in den Wunden zertreten,
den Kretin haben wir eingesperrt, sie hatte sich verliebt, ist mannstoll geworden.

wie ich herkam? Erinnerungen sind lügen-, lückenhaft, ich konnte mich dem Druck nicht entziehen, tatenlos, gelähmt stand ich daneben, dachte, der Kelch ginge vorüber, alles war, ist immer weit weg, doch geschieht, ich liebe meine Umwege, das mich Verlaufen,
wären wir nicht eingegliedert, doch, spräche niemand über uns als Abartige, welche Rolle wir erfüllen? ob Veränderungen gestattet sind? ohne Aufruhr geschehen können?
du weisst doch, dass du tot bist,
du kannst dir nicht vorstellen, wie ich schon morgens danach lechze,
auf deinem Gesicht bilden sich Perlen,
niemand kommt mir beim Aufstehen helfen, Zeit verstreicht, mein Blut,
Schlafen in Zügen,
noch ein beinahe Sturz,
Geschäfte verschwinden, letzte Sachen werden verschleudert, Rentner demonstrieren, die Linken infiltrieren, die Rechten -
erschiessen, beide erschiessen!

es gibt jetzt offizielle Bushaltestellen.

während das fette Kind Schokolade frisst, bittet die fette Mutter aufdringlich um Geld für ein Brötchen, legt ein Heiligenbildchen auf den Tisch,
steck die Schokolade weg!
wer gibt dir diese abscheulichen Heiligenbildchen? was soll ich kaufen? was verkaufst du?
Menschen wollen nicht angeschrieen sein,
doch.

einer kniet auf der Strasse - das ist eine andere Geschichte - und kein Musiker,
hältst dich fest, wankst, fällst,
was schreist du so!
reisst im Fall mit dir mit,
nein, nichts!
keuchst, isst dann, das Essen ist fertig, schluchzt,
was berührst du meinen Arm!
stehst auf,
eine Brücke weiter schiessen sie, wir ziehen uns auf die Mauer am Fluss zurück.

Polizisten zerren einen vom offenen Laderaum runter auf die Strasse samt seiner Lumpen, den Oberkörper bloss, das verfilzte Haar zu Berge kniet der da, küsst den Asphalt, erhebt die Arme, Haut über Knochen, brüllt einen unverständlichen Gesang, rückt ein Stück weiter, zieht die Lumpen nach, küsst den Asphalt, erhebt die Arme, brüllt diesen unverständlichen Gesang, die Polizisten schleifen ihn auf den Rasen, fahren weg, er kniet.

zieht die Hand mit Beutel aus dem Ärmel, senkt den Kopf,
nicht, sage ich, schnüffelst du hier, dürfen wir alle hier nicht mehr sein,
er lächelt, legt sich auf die Bank,
nicht, sage ich, legst du dich hier auf die Bank, dürfen wir alle hier nicht mehr sein,
sein Gesicht, eingefallener als letztes Jahr, die Augen unsteter, der Leib knochiger.

wir sind doch wie Geschwister,
ich will dich,
ich bin doch deine Schwester,
leg dich zu mir.

auch der letzte Musiker kommt nicht mehr.

wie Furien kämpfen die Weiber um uns Kinder, kriegen sich in die Haare,
dies war,
ich habe,
du stiehlst.

ob zu Recht oder Unrecht, das Gefühl ungerecht behandelt zu werden haben viele hier, da, gehen wieder auf die Strasse, den Strich,
ich will wieder hin, bis mir die Decke da auf den Kopf fällt, ich wieder auf den Strich gehe,
du stinkst,
ganz hinten die Angst, dass es ausbricht, mein Sohn ist vier, nicht infiziert, ich habe zwei Stipendien bekommen.

um 04.00 Uhr am Nachmittag des 16. September 2009 verbrennen Polizisten und Ordnungshüter Matratzen und Habseligkeiten der Kinder und Jugendlichen unter der Brücke,
wir rufen, sie kriechen aus der Asche, schütteln sich, setzen sich auf die Mauer, fange ich jetzt nicht an, funktioniert nichts mehr,
kriechen raus, schütteln uns, setzen uns auf die Mauer,
denk daran, dies ist ihr Terrain!
die Spannen der Proben sind für beide Seiten offene Strukturen, die schliesslich die geographischen und zeitlichen Räume beider Seiten antasten, so oder so,
Tropfen treten aus meiner Stirn,
Zentren ziehen sie an, sie kleben ihre Schichten dran, die Kinder aus den angefügten Schichten zieht es ins innerste Zentrum, ziehen es vor ohne Dach über dem Kopf da auf der Strasse zu bleiben, wo sie die tote, die sterbende Innenfläche schliesslich lediglich vergrössern,
aus Moder kann spriessen, etwas, das wir noch nicht kennen,
wie lange muss Moder so liegen?
über die vielen Lagen der Kinder da, nicht nur Kinder da, laufen wir, sie ins Pflaster tretend,
liegt da, die Wunde wieder aufgebrochen,
eine Struktur für etwas, das morgen vielleicht schon wieder zerbrochen ist, vor unseren Augen eine Struktur gebiert, die wir noch nicht denken können,
so ist das Leben,
ich will nicht, dass es so ist, also greife ich ein,
meine sehr verehrten Damen und Herren, die grösste Schau der Welt: Ratten zwischen Seidenlaken, in Badewannen mit goldenen Wasserhähnen, am Schwimmbadrand, süss, nicht?
meine sehr verehrten Damen und Herren, mit aller Achtung, die ihnen gebührt, ich habe AIDS, Tuberkulose, bin süchtig, noch eben, dann ich bin tot, ich habe kein Essen, ich singe ihnen jetzt die Geschichte meines Lebens.

zu Millionen verfrachten wir unsere Gebrechlichen, sie endlos lange marternd, in dieses Recken ihrer Spanne, was lässt sie sich festklammern?
Grenzenlosigkeit schaffen wir nicht,
eines jeden persönliches Verfallsdatum ist sein siebzigster Geburtstag,
hiermit laden wir Sie zur schönsten Reise Ihres Lebens ein,
ab geht's!
ohne Essen, ohne Trinken,
Sie haben ja schon siebzig Jahre lang gegessen und getrunken,
wo ist der Sammelpunkt? wie kommen wir dahin?
es gibt Zwischendeponien, die dann doch die endgültigen sind, Sie werden einander umbringen für die Zattern an ihren Knochen, im Namen der Gemeinschaft, des Überlebens der Gemeinschaft, plädieren wir für diese Abräumung,
täglich? wöchentlich? monatlich?
bin dann gelähmt, die Medikamente, mittags geht es wieder.

sie seien alle benebelt,
alles wieder in Gang kriegen,
endloses Warten,
ich will nicht länger, sagt der mit dem zerschnittenen Gesicht, das zeugt von absolut keinem Respekt, habe Mutter, habe Kind, will nicht mehr klauen, sie hat mir geholfen, ich bin ihr Dank schuldig, ewigen Dank schuldig,
mager sind wir geworden, dreckig,
ihr stinkt nach Kleister,
legen uns auf die Bänke, ja, wollen, wollen nicht, wollen Geld,
er wollte über die Brüstung, nicht über die Treppe nach unten, ich konnte ihn zurückhalten, hielt ihn zurück, das zweite Mal nicht, sah ihn am Boden des Treppenschachts liegen, arg hat der Aufprall gewesen sein müssen,
die Gruppe vom letzten Jahr existiert nicht mehr, einer der älteren und ein Junge, der ab und zu dabei war,
Brötchen, seit sie wissen, dass ich Brötchen holen lasse und Wurst und Limo, vielleicht kommen sie ja wegen dieser Brötchen, der Wurst, der Limo, der warmen Mahlzeit danach,
nach den Brötchen mit Wurst, der Limo noch einmal zwanzig Minuten, dann ist es aus, ein letzter Durchgang, zu ihrer warmen Mahlzeit, einer begleitet mich zum Schnellbus ein paar Strassen weiter, der Bus bleibt eine halbe Stunde stehen.

wie ich herkam?

das Zentrum heruntergekommen, dreckig, die Leute heruntergekommen, dreckig durch die Strassen schlurfend, die Häuser leprös, dass da Restaurants sind, die für vierzig Cent ein viertel Huhn liefern mit Reis und Pommes, der Bus zwängt sich durch die Strassen, überall Leute mit Schubkarren, Stapel Kartons, Bonbons, alles, was das Herz begehrt in minderer Qualität, das Elend wuchert nicht nur am Rand, wuchert im Innern, das ja ehedem nicht arm war - direkt neben den Regierungspalästen - jetzt von Leuten bevölkert, die nicht das Geld haben diese Häuser instand zu halten, vielleicht gehören diese Häuser gar nicht ihnen, gehören einem Boss, Bossen, die diese Häuser bewusst verkommen lassen um die Grundstücke dann teuer verkaufen zu können an noch gierigere Bosse, die da Wohnblocks oder Bürohochhäuser hinknallen,
das Durchliegen geschieht nicht von aussen nach innen, sondern von innen heraus, sagte mir der Arzt am Sterbebett meiner Mutter.

Lügen schlugen, schlagen mich stumm.

wir wollen nicht arbeiten, sind müde, ja, ja, wir wollen, wollen nicht, zehn Minuten, dann, nach einer Pause, ich habe keine Lust mehr, noch einmal zwanzig Minuten, kurz deckt sich die Kakophonie, die sie produzieren, mit den Bewegungen der Menschen auf der Strasse, den Text rammeln sie runter, keine Musiker,
schliesslich haderst du mit allen, keiner genügt, die Anlage auf dem anderen rumzutrampeln setzt sich in die Tat um,
rufst nicht an, antwortest nicht, seit ich dir gestern im Autobus, auf der Fahrt zurück in die Stadt ins Handy rufe - die Verbindung war schlecht:
bisher konnte ich mich des Druckes kriechend, robbend rückwärts entziehen, er fängt an meinen Bewegungsapparat zu verspannen, anzutasten, meine Schrift,
ich dir sage: ich gehe mich ausruhen, natürlich schaffen sie ihren Auftritt, alle.

niemand weiss, wie was geregelt ist, nur dass wir heute mit denen von unter der Brücke arbeiten, wer mich abholen soll und wo und wie das Essen geregelt ist,
dahin begebe ich mich nicht allein,
wir treffen uns im Zentrum, begeben uns zur Brücke worunter die Kinder schlafen, er war einer von ihnen, setzen uns auf die Mauer, rufen sie, fangen mit denen an, die rauskommen, einer hat eine Wunde an der Nase und unter der Mütze, über dem linken Auge eine noch grössere, erst arbeiten wir mit den Mädchen, dann mit den Jungs, die Babys legen sie auf eine Decke ins Gras, machen Gymnastik, kein Musiker, die zwei sollten doch kommen,
wir arbeiten bis zwei, sage ich den Sicherheitsbeamten, die auf uns zu kommen,
das ist gut, sagen sie und, passen Sie auf sich auf,
wir spielen die Szenen im Autobus, laufen hintereinanderher, lachen uns kaputt, der Bus ist voll und wir kriegen ihn nicht, der mit den Wunden im Gesicht singt,
kommt, wir gehen essen! nur wenn ich mitesse, herrscht die nötige Einheit,
frisst die Wurst, mit Senf, noch eine, stellt sich mit ausgebreiteten Armen hin,
alle Strukturen, die wir erarbeiten können, mit aller Wahrscheinlichkeit voraussagen können,
lebt die Probe! sie könnte der letzte Auftritt sein,
die Spanne ganzer Konzentration verlängern, die Uhren weglassen, nicht schon daran denken, was nach dieser schrecklichen Stunde der Probe sein wird,
wir haben Hunger,
die Ober fingen an Tische und Stühle sauberzumachen, das Laub wegzublasen für die Gäste, die auch an jenem Abend nicht kamen.

den ersten Kontakt zu Häusern, zu Regeln, die für sie noch keine sind, und so für sie vielleicht auch nie gelten,
Häuser schliessen aus,
Regeln schliessen aus,
Kontrollen, Beweisführungen nehmen erschreckende Ausmasse an, fressen Zeit,
ich betrage mich wie eine Ratte, die immer wieder durch Stromstösse zurückgeschlagen wird, die Ratte gibt schliesslich auf,
als trampelten sie aus mir heraus über mich hinweg, aus meinem Bauch treten Mengen, ziehen weiter,
alle Strukturen, die wir erarbeiten können,
das Tempo ist langsam, die ganze Strecke kein Wort, Ungeschehen zwischen Menschen lähmt, also Geschehen, der Langsamere gibt Tempo und Länge der Strecke bis zur Umkehr an, ich lege mich ins Zeug, die Schritte des Langsameren wiegen, gehe dann eher, allein, kehre später wieder, eher schon spreche ich darüber,
dass ihr mich anlächelt,
Löcher in der Stadt, am Boden, in der Luft, wohin ich überall gegangen bin, geschrieben habe, schreibe, gehe, alles Geräusch ist weit weg, stelle mich auf die Strasse, lächele, ihr schlagt nicht einmal einen Bogen um mich, prallt nicht auf mich auf.

rufe ihn an! sage ihm, wann er am Samstag da zu sein hat,
nein,
nein, seine Telefonnummer will ich auch nicht,
die Ängste dessen, der Druck ausübt, peitschen, schmecken bitter,
kriegte die Kinder zusammen, wusste nicht, wohin mit ihnen, rief sie an, sie nahm nicht auf,
das sagt noch nichts über den Druck, dem ich nicht entkomme,
es ist nicht,
nein,
entweder kommt frisches Blut von der Strasse her rein,
überall wartet auf, schreit ohne Laute, überall,
noch ist keiner von uns gewillt täglich dafür zu arbeiten, sich täglich zu üben, täglich seine Stimme zu üben, wir wollen Fahrrad fahren, Wellen reiten,
Lachen, Anrufen aller möglichen Leute, Mitteilungen über diese Anrufe, Husten, Einschränkungen finden jeden Tag statt, schreiten fort, im Anfang kaum merkbar, so gut wie nicht beeinträchtigend, Lächeln bleibt überlang hängen, überlang hängen bleibendes Lächeln, ständiges Ausschauhalten,
bis hier!
ich,
du lächelst überdeutlich anwesend und doch nicht,
nur ich weiss, dass diese rote Strieme im Rot, ich hatte das falsche Rot genommen und werde diese Strieme in mir nicht mehr los,
stehst da, starrst vor dich hin,
sag etwas!
das Bild ist nicht harmonisch.

wir werden immer kleiner, bekommen ja nur etwas, solange wir uns klein halten, ausser Kindern,
denkt ihr,
sagen unseren Gehirnen: nicht wachsen! und die Gehirne legen die Schalter um.

ausradiert, was ich gestern tat.

zum ersten Mal fahre ich auch abends allein ins Zentrum, setze mich auf die Treppe der Kathedrale, das Elend, das eine Strasse weiter beginnt, kann diesem Platz nichts anhaben, setzt sich jemand neben mich: ich bin,
ich stehe auf, gehe,
es gibt keinen uneingenommenen Platz mehr, dehnt sich alles unendlich bis ins Unendliche aus, zerquetscht sich schliesslich alles gegenseitig, sogar Konzentrate können die Zeitspanne bis zum sicheren Erstickungstod nur recken.

zur ersten Linie zieht etwas sich zusammen, wir betrachten sie als Linie des Vorhersehens, der Götter, folgen ihr,
Vergötterung macht stark, blind,
gehen über Leichen, Sterbende, Lebende,
dann ist es vorbei, laufe, nirgends ein Halt sichtbar, denkbar.

steht da, proper, stramm, öffnet eine schwarze Mappe mit abscheulichen Schlüsselringen:
meine sehr verehrten Damen und Herren, mit allem Respekt, der Ihnen gebührt, verzeihen Sie die Störung, ich komme aus dem Knast, habe drei kleine Kinder, muss Geld verdienen, habe im Knast gelernt mein Geld auf anständige Art zu verdienen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, danke Gott dem Allmächtigen, dass ich das jetzt kann, hoffe dass keiner von Ihnen mich im Stich lässt, jeder von Ihnen mir einen dieser abscheulichen Schlüsselringe abkauft, für die, die solch abscheulichen Schlüsselring nicht kaufen wollen, habe ich auch Bonbons, Schokolade, ich darf nur bis zur nächsten Haltestelle drin bleiben, danke, danke,
kaum ist sie draussen, steht die nächste schon da, proper, stramm, öffnet ihre schwarze Mappe:
meine sehr verehrten Damen und Herren, mit allem Respekt der Ihnen gebührt, entschuldigen Sie die Störung, ich danke Gott, dass ich hier sein darf, Ihnen diese abscheulich Schlüsselringe verkaufen darf, ich war im Knast, das ist nicht leicht, habe vier kleine Kinder, muss jetzt auf anständige Art mein Geld verdienen, habe im Knast gelernt auf anständige Art mein Geld zu verdienen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, das tue ich jetzt, danke Gott dem Allmächtigen, dass ich das jetzt kann, biete Ihnen diese abscheulichen Schlüsselringe zum Kauf an, bitte enttäuschen Sie mich nicht, lassen Sie mich nicht mit meinen vier kleinen Kindern allein im Elend, denen die diese Abscheulichkeiten nicht mögen, verkaufe ich auch Bonbons, Schokolade, Kugelschreiber, danke, danke, danke,
auch Männer mit diesen schwarzen Mappen, proper, steigen ein.

wozu braucht die Gesellschaft diese Horden Armer?
wir sind da,
verarscht, verarschen wir euch, die Horden Sklaven, die diese Schlüsselringe mit Herzchen, Käfern, Gott liebt dich! herstellen, alle verarscht wegen einer Krume, die Ströme dieser Abscheulichkeiten, Zwischenhändler, von uns Endverkäufern werden grösser, massiver, die Kauflust geringer, wir aggressiv.

bitte!
ich will nicht,
was hast du verkauft?
Bonbons,
für wen?
die Tante,
hat die Tante noch mehr kleine Neffen und Nichten?
acht stehen in ihrer Schuld,
wir hätten dich nicht bitten dürfen, wir haben dich gebeten,
ich will singen,
Atem schaffen, nicht dran denken, die Atemlosigkeit kann immer wieder zuschlagen, Abschottung, doch Abschottung, jenseits die Atemlosigkeit vor Druck, zu lange warten, dem, was Druck ausübt, so eine Chance bieten,
Atem schaffen, nicht dran denken, die Atemlosigkeit kann immer wieder zuschlagen, ich habe gelernt, geübt unter allen Umständen ruhig und gleichmässig durchzuatmen, den Atem bis in die Fingerspitzen kommen zulassen,
der Stein ist nachts dann nicht mehr gekommen.

am Meer entlang, ja, der Weg ist länger, die Treppe hoch, wo es immer nach Pisse stinkt,
das Fest, Oma ist 86, Essen, Trinken, Torte, Musik, wir tanzen, alles wird geknipst, gefilmt, wir schwingen die Arme wie Vögel ihre Flügel, mit zwei, drei sich immer wiederholenden schneller werdenden Schritten schaffen wir uns leicht, schütteln die Schultern, heben ab, unsere Leiber sind zu schwer, der Vogel in uns lacht.

 

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